+4991172301124 info@canmedapo.de
Das Endocannabinoidsystem

Das Endocannabinoidsystem

Darstellung von Cannabisblüten und Essenzen.

Die medizinische Wirkung von Cannabis

Wie genau wirkt eigentlich medizinisches Cannabis und welche Rolle spielt hierbei das Endocannabinoidsystem? Welche Bestandteile besitzt die Hanfpflanze und wie unterscheiden sich diese in ihrer medizinischen Wirkung beim Cannabiskonsum?

Cannabis und seine Bestandteile

Um die medizinische Wirkung von Cannabis zu erklären, lohnt es sich zunächst ein kurzer Blick auf die einzelnen Bestandteile der Cannabispflanze zu werfen. Obwohl erst seit 1940 einzelne Bestandteile der Cannabispflanze isoliert werden können, ist es heute möglich, schon über 560 einzelne Bestandteile innerhalb einer einzigen Pflanze zu entdecken. Diese Bestandteile werden in verschiedene chemische Klassen unterteilt. Diese sind unter anderem:

  • Terpene
  • Flavonoide
  • Steroide
  • Phenole
  • Aminosäuren
  • Cannabinoide

Die wohl charakteristischste und für die Medizin bedeutsamste Klasse stellen die Cannabinoide dar. Diese bezeichnen ein chemisches Grundgerüst mit variablen Resten, welches verschiedene pharmakologische Wirkungen auf den menschlichen Körper ausübt.

Hierunter sind die zwei relevantesten und auch bekanntesten Cannabinoide das Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD). Der Gehalt der einzelnen Wirkstoffe je Pflanze variiert stark und wird unter anderem durch diverse Umweltfaktoren (wie Standort, Temperatur oder Bodenbeschaffenheit) beeinflusst. Anhand des Gehalts von THC und CBD werden auch die einzelnen Cannabis-Produkte klassifiziert.[1]

Das Endocannabinoidsystem (ECS)

Was ist das ECS und welche Aufgaben hat es?

Das Endocannabinoidsystem beschreibt ein physiologisches (körpereigenes) System, welches über unser Nervensystem Einfluss auf verschiedene Mechanismen in unserem Körper nimmt.

Nachdem bereits Mitte des 20. Jahrhunderts erste wissenschaftliche Studien an der Cannabispflanze hinsichtlich der chemischen Struktur ihrer Inhaltsstoffe betrieben wurden, suchte man später nach den molekularen Zielstrukturen der Cannabinoide im menschlichen Körper. Durch die Entdeckung des Endocannabinoidsystems im Jahre 1988 wurde ein wissenschaftlicher Durchbruch erzielt.[2]

Gut zu wissen

Während das Wort „Cannabinoid“ meist nur im Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen der Hanfpflanze gebräuchlich ist, beschreibt der Begriff „Endocannabinoid“ die körpereigenen Botenstoffe. Diese wirken auf dieselben Rezeptoren, wie die pflanzlichen Cannabinoide THC und CBD der Cannabispflanze.

Wie ist das ECS aufgebaut?

Das Endocannabinoidsystem besteht aus drei wesentlichen Komponenten: den Cannabinoiden, den Rezeptoren und den Enzymen.

Grundsätzlich unterteilen Experten nach:

  • ­körpereigenen Endocannabinoiden
  • pflanzlichen Phytocannabinoiden (in der Hanfpflanze enthalten)
  • künstlich hergestellten synthetischen Cannabinoiden

In unserem Körper existieren verschiedene Rezeptoren, auf die die einzelnen Cannabinoide wirken und die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen. Die zwei bekanntesten Rezeptoren sind die CB1- und CB2-Rezeptoren.

CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich in verschiedenen Regionen des zentralen Nervensystems, insbesondere im Gehirn, angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, die Nahrungsaufnahme zu regulieren, indem sie Einfluss auf das Hunger- beziehungsweise Sättigungsgefühl nehmen. Die CB2-Rezeptoren sind ausschließlich im peripheren Nervensystem verteilt. Von ihnen ist anzunehmen, dass sie eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Funktion besitzen. Zudem führt eine Aktivierung der CB2-Rezeptoren zu einer beruhigenden Wirkung.[3]

Eine ebenfalls bedeutende Aufgabe wird vom dritten Bestandteil des Endocannabinoidsystems ausgeführt, den Enzymen. Dies sind Botenstoffe im Körper (meist Proteine), welche als Katalysator eine chemische Reaktion im Körper beschleunigen. Außerdem sorgen sie dafür, dass gebrauchte Endocannabinoide recycelt werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden.

Wie funktioniert das ECS?

Die Funktionsweise des Endocannabinoidsystems ist gleich dem bekannten Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dabei stellen die Rezeptoren die „Schlösser“ dar, welche an den Zellen des Nervensystems im ganzen Körper verteilt sind. Die Cannabinoide (unabhängig davon ob Endo-, Phyto-, oder synthetische Cannabinoide) schwirren wie Schlüssel umher. Jedes Mal, wenn ein Cannabinoid an einen Rezeptor gelangt, wird eine spezifische Reaktion ausgelöst. Bei verschiedenen Beschwerden (zum Beispiel bei chronischen Schmerzen) kann die gezielte Beeinflussung des Endocannabinoidsystems förderlich sein. So kann man beispielsweise eine geeignete Cannabis-Therapie den Cannabinoidhaushalt beeinflussen.

Wirkweise und Einsatzbereiche von THC und CBD

Generell lässt sich sagen, dass die zwei Hauptbestandteile von Cannabis THC und CBD zum Teil gegensätzliche Effekte besitzen. Dadurch lässt sich die Verteilung der CB1- und CB2-Rezeptoren erklären.

THC aktiviert sowohl die CB1- als auch die CB2-Rezeptoren in unserem Körper. Durch die Aktivierung von Rezeptor CB1 kommt es zu einer vermehrten Übertragung des Glückshormons Dopamin. Das THC ist daher für die psychoseähnliche (berauschende) Wirkung der Cannabispflanze verantwortlich.

Zudem kann es durch medizinisches Cannabis auch noch zu folgenden Wirkungen kommen:

  • analgetische (schmerzstillende) Effekte
  • antispastische Effekte
  • antikonvulsive (krampflindernde) Effekte

Diese werden insbesondere durch die CB2-Rezeptoren ausgelöst, welche für die eher beruhigenden Reaktionen im Körper zuständig sind.

Somit ist es ein positiver Effekt durch medizinisches Cannabis auf beispielsweise chronische Schmerzen im Zuge einer Chemotherapie bei Krebs oder bei Spastik denkbar.

CBD hingegen agiert nicht psychoseähnlich, sondern besitzt sogar eine antipsychotische Wirkung (mögliche Linderung von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen). Zudem werden der Substanz unter anderem eine antieleptische und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Funktion zugeschrieben.[4]

Mehr über die möglichen Einsatzgebiete von medizinischem Cannabis erfahren Sie auch in unserem Artikel
„Medizinisches Cannabis: Bei welchen Krankheiten kann es helfen?“.

Dennoch müssen sich Patienten immer im Klaren sein, dass eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in der Regel eine Therapieergänzung darstellt. Diese muss immer mit dem behandelnden Arzt individuell abgestimmt und auf Rezept verordnet sein. Zudem kann medizinisches Cannabis von Patient zu Patient verschieden wirken.

CANMEDAPO: Ihre Ansprechpartner
für medizinisches Cannabis

Als auf medizinisches Cannabis spezialisierte Apotheke sind wir Ihr Partner für die zuverlässige Versorgung mit medizinischem Cannabis. Gerne können Sie sich durch unsere Expert:innen beraten lassen oder Ihr Cannabis-Rezept direkt bei uns einlösen. Wir sind für Sie da!

Quellenangaben

[1] Rohleder, C. & Müller, J.: „Pharmakologie von Cannabis und Cannabinoiden“ In: Psychopharmakotherapie (2020). S.105-113.

[2] Sudano, I./Périat, D./Noll, G.: „Das Endocannabinoid-System” In: Praxis (2008) S. 375-380.

[3] Ebd.

[4] Hoch, E. & Preuss, U.: „Cannabis, Cannabinoide und Cannabiskonsumstörungen“ In: PSYCH up2date (2019) S.395-405.

 

Medizinisches Cannabis – bei welchen Krankheiten kann es helfen?

Medizinisches Cannabis – bei welchen Krankheiten kann es helfen?

Ärztin berät Patientin zu medizinischem Cannabis.

Der Stellenwert von Cannabis als Arzneimittel für schwerkranke Patienten erfährt einen rasanten Aufschwung, nachdem seit Januar 2017 alle Ärzte (ausgenommen Zahn- und Tierärzte) unter bestimmten Voraussetzungen medizinisches Cannabis verschreiben dürfen. Wir erklären Ihnen, bei welchen Krankheiten Cannabis zum Einsatz kommen kann und welche Belege zur Wirkung es durch aktuelle Studien gibt.

Ihre spezialisierte Apotheke

Bei CANMEDAPO haben wir uns auf die Versorgung mit Medizinalcannabis spezialisiert und stehen Ihnen mit Rat und Tat bei Ihrem Cannabis-Rezept zur Seite. Egal für welches Krankheitsbild Ihnen medizinisches Cannabis verordnet wurde, bei uns lösen Sie Ihre Rezepte sicher ein.

Wichtig vorab

Die Verschreibung von medizinischem Cannabis ist nicht auf einzelne Krankheitsbilder fixiert, sondern liegt vielmehr im Ermessen des behandelnden Arztes beziehungsweise der behandelnden Ärztin. Cannabis wird in Deutschland aktuell nur dann von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen, wenn alle anderen verfügbaren Therapieoptionen ausgeschöpft sind. Die Therapieentscheidung in Deutschland für medizinisches Cannabis wird häufig aufgrund von Erfahrungswerten der behandelnden Ärzte in Kombination mit den vorliegenden Studien getroffen.

Die Datenlage bezüglich einer Wirksamkeit von medizinischem Cannabis ist jedoch leider gering, da hierfür nur wenig Studien vorliegen oder das Studiendesign teilweise nicht ausreichend gestaltet war. In den folgenden beschriebenen Therapiegebieten wurden erste Ansatzpunkte für eine Wirksamkeit gefunden. Für finale Aussagen zu Wirksamkeiten reicht die bisherige Datenlage aber nicht aus.

Medizinisches Cannabis bei
chronischen Schmerzen

Die Wirksamkeit von Cannabisarzneimitteln bei chronischen Schmerzen wurde mehrmals untersucht. Im Rahmen der Studien war die Therapie oft nur von kurzer Dauer (maximal 12 Wochen, teilweise auch nur einige Tage). Bei den Untersuchungen wurden den Probanden Cannabisarzneimittel gemeinsam mit etablierten, zugelassenen Schmerzmitteln (Analgetika) gegeben. Das medizinische Cannabis wurde in der Regel gegenüber Placebo („Scheinmedikament“ ohne pharmakologisch aktiven Wirkstoff) getestet und nicht gegenüber etablierten Analgetika. Im Ergebnis waren Cannabisarzneimittel dem Placebo in der Schmerzreduktion bis zu 30 Prozent überlegen. Dies deutet darauf hin, dass manche der im Cannabis enthaltenen Wirkstoffe eine leicht entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung besitzen können.[1]

Medizinisches Cannabis bei Epilepsie

Nach einigen vielversprechenden Berichten über die Wirkung von Cannabis in individuellen Fällen, gewann die Behandlung von Epilepsie mit Medizinalcannabis während des letzten Jahrzehnts zunehmend an Bedeutung. So unterstützen aktuelle Ergebnisse aus Studien zu Cannabinoiden (den Wirkstoffen der Hanfpflanze) die Wirksamkeit von Cannabismedikamenten bei verschiedenen Arten der Epilepsie bei Kindern.

Die Ergebnisse der aktuellen Forschung deuten auf einen positiven Effekt von CBD auf die Lebensqualität von Patient:innen mit Epilepsie hin, es werden jedoch auch hierzu weitere methodisch hochwertige Studien benötigt, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Interessant dazu: Bei der Behandlung mit Medizinalcannabis sind die möglichen Nebenwirkungen ähnlich denen anderer Antiepileptika (zum Beispiel Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit).[2]

Medizinisches Cannabis bei Bewegungsstörungen und Spastiken

2011 wurde eine große Studie zur Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose publiziert, welche anschließend in der Zulassung von Medizinalcannabis im Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild resultierte. Von 572 Patienten, die primär in die Studie eingeschlossen wurden, sprachen 272 Patienten (47,6 Prozent) während einer vierwöchigen einfachblinden Behandlung mit medizinischem Cannabis auf die Therapie an (das entspricht einer Reduktion der Spastik um mehr als 20 Prozent). Anschließend nahmen die Probanden an einer zwölfwöchigen, doppelblinden, placebokontrollierten zweiten Studienphase teil. Im Vergleich zu Placebo verbesserte der Cannabisextrakt in dieser Studie Spastiken, Spasmenhäufigkeit und Schlafqualität deutlich.

Medizinalhanf bei Neuropathien

Weitere Studien haben Hinweise darauf geliefert, dass der Cannabis-Einsatz bei neuropathischen (nervenbedingten) Schmerzen einer Therapie mit Placebos überlegen sein kann. Es sind aber noch weitere Langzeitstudien erforderlich, um die Wirksamkeit von Cannabis als Medizin, sowie die perfekte Dosierung bei neuropathischen Schmerzen, aufzudecken.

Andere Studien deuten beispielsweise daraufhin, dass durch die Verwendung von medizinischem Cannabis chronische und neuropathische Schmerzen durch das schmerzlindernde und das schmerzhemmende Potenzial von Cannabisarzneimitteln gelindert werden können. Dies wurde unter anderem bei

  • Diabetes- und HIV-assoziierten oder
  • Chemotherapie-induzierten Schmerzen sowie
  • Migräne,
  • Clusterkopfschmerz und
  • Tumorschmerzen

beobachtet. Zusätzlich können Angst oder Schlafstörungen als Begleitsymptome von chronischen und neuropathischen Schmerzen verringert werden.[3]

Behandlung von Übelkeit und Erbrechen mit medizinischem Cannabis

Eine Vielzahl von Studien, die zum größten Teil bereits in den 70er und 80er Jahren durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass die Einnahme von medizinischem Cannabis in der Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Chemotherapie ebenso oder sogar etwas stärker wirken kann als damals gebräuchliche Medikamente gegen Übelkeit.

Zudem gibt es bereits Anhaltspunkte, dass niedrigdosiertes Dronabinol (2 × 2,5 mg pro Tag) eine unterstützende Wirkung bei gleichzeitiger Behandlung mit modernen Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen) aufweisen soll. In der Therapie der verzögert eintretenden Übelkeit (2 bis 5 Tage nach Zytostatikagabe) war Dronabinol in Studien gleichermaßen wirksam wie das Antiemetikum Ondansetron. Insgesamt gelten Cannabinoide daher heute als Reservemedikamente bei durch Krebsmedikamente ausgelöster Übelkeit und Erbrechen.[4]

Weitere Einsatzbereiche von medizinischem Cannabis

Grundsätzlich ist die Verordnung von medizinischem Cannabis nicht an spezifische Krankheiten gebunden. Daher sind die oben aufgeführten Indikationen lediglich die geläufigsten Einsatzbereiche. Des Weiteren kann medizinisches Cannabis auch unter anderem bei folgenden Krankheitsbildern eingesetzt werden:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Entzündungen und entzündlich bedingte Schmerzen
  • Migräne
  • Appetitlosigkeit und Abmagerung
  • Abhängigkeit und Entzugssymptome
  • Angststörungen
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Schizophrene Psychosen

Voraussetzung ist dabei – wie immer bei der Verordnung von medizinischem Cannabis – dass eine schwere Krankheit vorliegt, für die keine weiteren Therapieoptionen zur Verfügung stehen oder diese nicht angewandt werden können. Zudem muss der Mediziner davon ausgehen, dass sich durch die Therapie mit Medizinalhanf der Krankheitsverlauf oder schwere Symptome bessern lassen.  

CANMEDAPO: Ihr Ansprechpartner
für medizinisches Cannabis

Als auf medizinisches Cannabis spezialisierte Apotheke sind wir Ihr Partner für die zuverlässige Versorgung mit medizinischem Cannabis. Gerne können Sie sich durch unsere Expert:innen beraten lassen oder Ihr Cannabis-Rezept direkt bei uns einlösen. Wir sind für Sie da!

Quellenangaben

[1] Vgl. Chandel, R./Singh, R. & Sharma, S.: “Determination of Geographical Origin of Cannabis – A Review” In: The Indian Police Journal (2019) S.110-112.

[2] Hudson, R. & Puvanenthirarajah, N.: “Cannabis for pain management: Pariah or panacea?” (2018) S.58f.

[3] Zuardi, A.: “History of cannabis as a medicine: a review” In: Brazilian Journal of Psychiatry (2006). URL: https://www.scielo.br/j/rbp/a/ZcwCkpVxkDVRdybmBGGd5NN/?lang=en (18.07.2022)

[4] Fankhauser, M. & Eigenmann, D.: Cannabis in der Medizin. Geschichte – Praxis – Perspektiven. Solothurn: Nachtschatten 2020.

[5] Deutscher Hanfverband: „Was ist der Unterschied zwischen Hanf, Cannabis, Haschisch und Marihuana?“. URL: https://hanfverband.de/faq/was-ist-der-unterschied-zwischen-hanf-cannabis-haschisch-und-marihuana (18.07.2022)

[6] Friedman, D. & Sirven, J.: “Historical perspective on the medical use of cannabis for epilepsy: Ancient times to the 1980s” (2016). URL: https://static1.squarespace.com/static/5dab51c52920995e635d4295/t/5edba04230d909160d137c96/1591451716587/Friedman2017EpilepsyBehav.pdf (18.07.2022)

[7] Fankhauser, M.: „Cannabis in der Medizin – ein Rückblick in die Geschichte“ In: Pharmakon (2017) S.95-102.

[8] Cremer-Schaeffer, P. & Knöss, W.: „Cannabis für medizinische Zwecke: Dynamische Rahmenbedingungen – sachgerechte Information“ In: Bundesgesundheitsblatt 62 (2019) S. 799f.

 

Die Geschichte von medizinischem Cannabis

Die Geschichte von medizinischem Cannabis

Darstellung von Cannabisblüten und Essenzen.

Von der Entdeckung bis
zur Rezepteinlösung

Wo genau liegt der geographische Ursprung der Cannabispflanze? Seit wann und in welcher Form wurden die vielen Eigenschaften der Pflanze genutzt? Wie kam es schlussendlich zur weltweiten Verbreitung von Cannabis und letztendlich der medizinischen Verordnung auf Rezept? In unserem Artikel geben wir Ihnen einen Überblick zur Geschichte und Entwicklung von (medizinischem) Cannabis.

Die Anfänge von Cannabis

Die Verwendung von Cannabis reicht bereits mehrere Jahrtausende vor Christus zurück. Genauer gesagt, stammt die älteste bekannte schriftliche Dokumentation aus dem Jahre 2727 v. Chr., als der damalige Kaiser von China Shen Nung die Wirkung der Cannabispflanze für sich nutzte. Hinsichtlich des geographischen Ursprungs der Pflanze wird überliefert, dass diese aus den Gebirgsregionen des Himalayas stammt.[1] Bereits im „Shennong Bencaojing“, einem der ältesten bekannten Bücher über Heilpflanzen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., wird von der medizinischen Verwendung des Cannabis gesprochen.[2] Typische Krankheiten, bei denen Cannabis damals Verwendung fand, waren unter anderem Gicht, Malaria oder Rheuma.[3]

Die erste bekannte bildliche Darstellung einer Cannabispflanze stammt bereits aus dem Jahre 512 n. Chr. Auch im mittelalterlichen Europa war Cannabis, beziehungsweise damals unter dem geläufigen Namen „Hanf“ oder „Haschisch“ in aller Munde. So häuften sich auch bereits ab dem Jahre 1500 die Berichte über die heilende Wirkung der Hanfpflanze in diversen Kräuterheilkundebüchern.[4]

Cannabis – eine Pflanze, viele Namen

Cannabis, Hanf, Haschisch oder Marihuana – häufig werden diese Begriffe als Synonyme verwendet, jedoch gibt es zum Teil gravierende Unterschiede. Die folgende Aufzählung sorgt für Klarheit:

  • Cannabis: Lateinisches Wort für „Hanf“
  • Hanf: Name einer Pflanzengattung innerhalb der Hanfpflanze
  • Haschisch: gesammeltes und gepresstes Harz der weiblichen Hanfpflanze
  • Marihuana: Getrocknete, harzhaltige Blüten und blütennahe Blätter der weiblichen Hanfpflanze

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass es sich bei den Bezeichnungen „Cannabis“ und „Hanf“ um exakt dieselbe Pflanze handelt und Cannabis lediglich der lateinische Fachbegriff ist. Während Haschisch (kurz: Hasch) das gepresste Harz der Cannabisblüten ist, handelt es sich bei Marihuana (auch: Gras) um die getrockneten Blüten als Ganzes.[5]

Cannabis im 19. Jahrhundert

Wenn man in die nähere Vergangenheit zurückblickt, gelangte die Cannabispflanze über Indien und die damaligen britischen Kolonien Ende des 19. Jahrhunderts nach Europa und die USA. Einen großen Anteil an dieser Entwicklung hatte der irische Arzt William Brooke O’Shaughnessy, der nach seinen langen Aufenthalten in Indien die medizinischen Vorteile der Pflanze gen Westen brachte. Zu diesem Zeitpunkt erkannte er bereits den positiven Effekt von Cannabis gegen beispielsweise Rheuma, Tetanus oder Cholera.[6]

In den Anfängen des 20. Jahrhunderts war das Medizinalcannabis in der europäischen Schulmedizin etabliert und ein weit verbreitetes, angesehenes Arzneimittel. Ende der 1920er Jahre begann dann der Rückgang von Medizinalcannabis. Dies hatte zum einen medizinische Gründe, nachdem für die damaligen Hauptanwendungsgebiete, wie Cholera oder Tetanus, Impfstoffe entwickelt werden konnten. Zum anderen wurden die rechtlichen Beschränkungen verschärft und Cannabisprodukte unterlagen der Betäubungsmittelpflicht. Schlussendlich kam es sogar im Jahre 1961 zum weltweiten Verbot.[7]

Dennoch wurde stets weiter an Cannabis geforscht und man konnte den Abwärtstrend stoppen, als der wissenschaftliche Fortschritt im Jahre 1967 die gezielte Isolation des Cannabis-Wirkstoffs THC ermöglichte. Einen weiteren Auftrieb erfuhr die Forschung dann Ende der 1980er Jahre mit der Entdeckung des Endocannabinoidsystems, welche in der Legalisierung von medizinischem Cannabis (Verordnung auf Rezept) im Jahre 2017 gipfelte.[8]

Heute sind Cannabispräparate zum Beispiel als ergänzende Therapieform bei chronischen Schmerzen in aller Munde.

CANMEDAPO: Ihre Ansprechpartner
für medizinisches Cannabis

Als auf medizinisches Cannabis spezialisierte Apotheke sind wir Ihr Partner für die zuverlässige Versorgung mit medizinischem Cannabis. Gerne können Sie sich durch unsere Expert:innen beraten lassen oder Ihr Cannabis-Rezept direkt bei uns einlösen. Wir sind für Sie da!

Quellenangaben

[1] Vgl. Chandel, R./Singh, R. & Sharma, S.: “Determination of Geographical Origin of Cannabis – A Review” In: The Indian Police Journal (2019) S.110-112.

[2] Hudson, R. & Puvanenthirarajah, N.: “Cannabis for pain management: Pariah or panacea?” (2018) S.58f.

[3] Zuardi, A.: “History of cannabis as a medicine: a review” In: Brazilian Journal of Psychiatry (2006). URL: https://www.scielo.br/j/rbp/a/ZcwCkpVxkDVRdybmBGGd5NN/?lang=en (18.07.2022)

[4] Fankhauser, M. & Eigenmann, D.: Cannabis in der Medizin. Geschichte – Praxis – Perspektiven. Solothurn: Nachtschatten 2020.

[5] Deutscher Hanfverband: „Was ist der Unterschied zwischen Hanf, Cannabis, Haschisch und Marihuana?“. URL: https://hanfverband.de/faq/was-ist-der-unterschied-zwischen-hanf-cannabis-haschisch-und-marihuana (18.07.2022)

[6] Friedman, D. & Sirven, J.: “Historical perspective on the medical use of cannabis for epilepsy: Ancient times to the 1980s” (2016). URL: https://static1.squarespace.com/static/5dab51c52920995e635d4295/t/5edba04230d909160d137c96/1591451716587/Friedman2017EpilepsyBehav.pdf (18.07.2022)

[7] Fankhauser, M.: „Cannabis in der Medizin – ein Rückblick in die Geschichte“ In: Pharmakon (2017) S.95-102.

[8] Cremer-Schaeffer, P. & Knöss, W.: „Cannabis für medizinische Zwecke: Dynamische Rahmenbedingungen – sachgerechte Information“ In: Bundesgesundheitsblatt 62 (2019) S. 799f.