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Darstellung von Cannabisblüten und Essenzen.

Die medizinische Wirkung von Cannabis

Wie genau wirkt eigentlich medizinisches Cannabis und welche Rolle spielt hierbei das Endocannabinoidsystem? Welche Bestandteile besitzt die Hanfpflanze und wie unterscheiden sich diese in ihrer medizinischen Wirkung beim Cannabiskonsum?

Cannabis und seine Bestandteile

Um die medizinische Wirkung von Cannabis zu erklären, lohnt es sich zunächst ein kurzer Blick auf die einzelnen Bestandteile der Cannabispflanze zu werfen. Obwohl erst seit 1940 einzelne Bestandteile der Cannabispflanze isoliert werden können, ist es heute möglich, schon über 560 einzelne Bestandteile innerhalb einer einzigen Pflanze zu entdecken. Diese Bestandteile werden in verschiedene chemische Klassen unterteilt. Diese sind unter anderem:

  • Terpene
  • Flavonoide
  • Steroide
  • Phenole
  • Aminosäuren
  • Cannabinoide

Die wohl charakteristischste und für die Medizin bedeutsamste Klasse stellen die Cannabinoide dar. Diese bezeichnen ein chemisches Grundgerüst mit variablen Resten, welches verschiedene pharmakologische Wirkungen auf den menschlichen Körper ausübt.

Hierunter sind die zwei relevantesten und auch bekanntesten Cannabinoide das Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD). Der Gehalt der einzelnen Wirkstoffe je Pflanze variiert stark und wird unter anderem durch diverse Umweltfaktoren (wie Standort, Temperatur oder Bodenbeschaffenheit) beeinflusst. Anhand des Gehalts von THC und CBD werden auch die einzelnen Cannabis-Produkte klassifiziert.[1]

Das Endocannabinoidsystem (ECS)

Was ist das ECS und welche Aufgaben hat es?

Das Endocannabinoidsystem beschreibt ein physiologisches (körpereigenes) System, welches über unser Nervensystem Einfluss auf verschiedene Mechanismen in unserem Körper nimmt.

Nachdem bereits Mitte des 20. Jahrhunderts erste wissenschaftliche Studien an der Cannabispflanze hinsichtlich der chemischen Struktur ihrer Inhaltsstoffe betrieben wurden, suchte man später nach den molekularen Zielstrukturen der Cannabinoide im menschlichen Körper. Durch die Entdeckung des Endocannabinoidsystems im Jahre 1988 wurde ein wissenschaftlicher Durchbruch erzielt.[2]

Gut zu wissen

Während das Wort „Cannabinoid“ meist nur im Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen der Hanfpflanze gebräuchlich ist, beschreibt der Begriff „Endocannabinoid“ die körpereigenen Botenstoffe. Diese wirken auf dieselben Rezeptoren, wie die pflanzlichen Cannabinoide THC und CBD der Cannabispflanze.

Wie ist das ECS aufgebaut?

Das Endocannabinoidsystem besteht aus drei wesentlichen Komponenten: den Cannabinoiden, den Rezeptoren und den Enzymen.

Grundsätzlich unterteilen Experten nach:

  • ­körpereigenen Endocannabinoiden
  • pflanzlichen Phytocannabinoiden (in der Hanfpflanze enthalten)
  • künstlich hergestellten synthetischen Cannabinoiden

In unserem Körper existieren verschiedene Rezeptoren, auf die die einzelnen Cannabinoide wirken und die unterschiedlichsten Reaktionen hervorrufen. Die zwei bekanntesten Rezeptoren sind die CB1- und CB2-Rezeptoren.

CB1-Rezeptoren sind hauptsächlich in verschiedenen Regionen des zentralen Nervensystems, insbesondere im Gehirn, angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, die Nahrungsaufnahme zu regulieren, indem sie Einfluss auf das Hunger- beziehungsweise Sättigungsgefühl nehmen. Die CB2-Rezeptoren sind ausschließlich im peripheren Nervensystem verteilt. Von ihnen ist anzunehmen, dass sie eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Funktion besitzen. Zudem führt eine Aktivierung der CB2-Rezeptoren zu einer beruhigenden Wirkung.[3]

Eine ebenfalls bedeutende Aufgabe wird vom dritten Bestandteil des Endocannabinoidsystems ausgeführt, den Enzymen. Dies sind Botenstoffe im Körper (meist Proteine), welche als Katalysator eine chemische Reaktion im Körper beschleunigen. Außerdem sorgen sie dafür, dass gebrauchte Endocannabinoide recycelt werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden.

Wie funktioniert das ECS?

Die Funktionsweise des Endocannabinoidsystems ist gleich dem bekannten Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dabei stellen die Rezeptoren die „Schlösser“ dar, welche an den Zellen des Nervensystems im ganzen Körper verteilt sind. Die Cannabinoide (unabhängig davon ob Endo-, Phyto-, oder synthetische Cannabinoide) schwirren wie Schlüssel umher. Jedes Mal, wenn ein Cannabinoid an einen Rezeptor gelangt, wird eine spezifische Reaktion ausgelöst. Bei verschiedenen Beschwerden (zum Beispiel bei chronischen Schmerzen) kann die gezielte Beeinflussung des Endocannabinoidsystems förderlich sein. So kann man beispielsweise eine geeignete Cannabis-Therapie den Cannabinoidhaushalt beeinflussen.

Wirkweise und Einsatzbereiche von THC und CBD

Generell lässt sich sagen, dass die zwei Hauptbestandteile von Cannabis THC und CBD zum Teil gegensätzliche Effekte besitzen. Dadurch lässt sich die Verteilung der CB1- und CB2-Rezeptoren erklären.

THC aktiviert sowohl die CB1- als auch die CB2-Rezeptoren in unserem Körper. Durch die Aktivierung von Rezeptor CB1 kommt es zu einer vermehrten Übertragung des Glückshormons Dopamin. Das THC ist daher für die psychoseähnliche (berauschende) Wirkung der Cannabispflanze verantwortlich.

Zudem kann es durch medizinisches Cannabis auch noch zu folgenden Wirkungen kommen:

  • analgetische (schmerzstillende) Effekte
  • antispastische Effekte
  • antikonvulsive (krampflindernde) Effekte

Diese werden insbesondere durch die CB2-Rezeptoren ausgelöst, welche für die eher beruhigenden Reaktionen im Körper zuständig sind.

Somit ist es ein positiver Effekt durch medizinisches Cannabis auf beispielsweise chronische Schmerzen im Zuge einer Chemotherapie bei Krebs oder bei Spastik denkbar.

CBD hingegen agiert nicht psychoseähnlich, sondern besitzt sogar eine antipsychotische Wirkung (mögliche Linderung von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen). Zudem werden der Substanz unter anderem eine antieleptische und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Funktion zugeschrieben.[4]

Mehr über die möglichen Einsatzgebiete von medizinischem Cannabis erfahren Sie auch in unserem Artikel
„Medizinisches Cannabis: Bei welchen Krankheiten kann es helfen?“.

Dennoch müssen sich Patienten immer im Klaren sein, dass eine Behandlung mit medizinischem Cannabis in der Regel eine Therapieergänzung darstellt. Diese muss immer mit dem behandelnden Arzt individuell abgestimmt und auf Rezept verordnet sein. Zudem kann medizinisches Cannabis von Patient zu Patient verschieden wirken.

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Quellenangaben

[1] Rohleder, C. & Müller, J.: „Pharmakologie von Cannabis und Cannabinoiden“ In: Psychopharmakotherapie (2020). S.105-113.

[2] Sudano, I./Périat, D./Noll, G.: „Das Endocannabinoid-System” In: Praxis (2008) S. 375-380.

[3] Ebd.

[4] Hoch, E. & Preuss, U.: „Cannabis, Cannabinoide und Cannabiskonsumstörungen“ In: PSYCH up2date (2019) S.395-405.